2010 deister 80x150„Im Herzen sind wir Schatzsucher”, lautet der Kernspruch einer braunschweigischen Designagentur. Dass wir bei der Herbsttour 2010 Schätze kennen lernen und heben sollten, war uns beim Start der Ausfahrt bei herbstlich-frischem Wetter nicht bewußt. Fritz („Itze”) Stöber hatte zum Start am Sonnabendmorgen am 2.10. um 9 Uhr zu einem Parkplatz am Ortsrand von Walle geladen.

Und die Schar der Teilnehmer wurde rund um die Aufbruchzeit immer größer, so dass bei der obligatorischen Fahrer- und Tourbesprechung mehr als 25 Fahrzeuge und dementsprechend durchschnittlich mal zwei Oldtimer-Liebhaber startbereit waren. Typisch für die Jahreszeit und für die diesjährigen Ausfahrten setzte dann auch noch leichter Nieselregen ein und manches Roadsterteam konnte neidvolle Blicke auf die mittlerweilen immer zahlreicher werdenden Limousinenreisenden nicht verbergen.

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Nichts desto trotz verließ der locker gereihte Tross den Treffpunkt Richtung Westen und die Reise ging über Wendeburg, Meerdorf, Münstedt, Ilsede mit Fahrt über Stedum und Ohlum nach Hohenhameln-Harber, wo seitlich an der Straße vor dem Firmengelände eines großen holzbearbeitenden Betriebes die Offenfahrer endlich schützende Verdecke aufziehen konnten, denn der Nieselregen war just zu diesem Zeitpunkt in kraftvollere Tropfen übergegangen.

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Der Betrieb wurde uns als Tischlerei und Sargmacherei vorgestellt, entpuppte sich aber bei näherem Hinsehen und weiterem Rundgang als eine wahre Perle für Oldtimerfans. Die Walkling Holztechnik nennt als Firmerncredo „Holz ist unser Metier” und das besonders für Lenk- und Kutschenräder sowie Armaturenbretter. Der wahre Schatz des Unternehmens ist aber die Liebe zu Stellmacherarbeiten für längst verschollen geglaubte oder aufwändig wieder herzurichtende Automobile vergangener Epochen.

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Das Wandeln durch die Arbeits- und Werkstatträume entwickelte sich zu einer wahren Pracht. Während man links blickend ein durch die Enge und die Holzstaubablagerungen im hilflosen Zustand befindliches Fahrzeug wie im Zustand eines Scheunenfundes erblicken konnte, konnte man vis-à-vis bereits das anmutig anzusehende Holzgerippe einer wieder zum ursprünglichen Leben erwachenden Karosse erspähen.

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Besser können die Kontraste nicht sein, außer man schaut sich die Bilder und Dokumentationen von Referenzarbeiten an. Hier wird ein Ausschnitt aus dem 'Who-is-who' des internationalen Automobilbaus präsentiert und beim Lesen der einzelnen Typenbezeichnungen der renommierten Autohersteller wie Wanderer, Horch, Mercedes, Porsche, DKW/IFA, Audi, Hansa, Ford und Jaguar läuft Einem das Wasser im Munde zusammen.

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Schön war, dass der Inhaber Hans Werner Walkling noch genügend Zeit für uns für einen Kurzvortrag und Antworten auf viele unserer Fragen übrig hatte, denn am nächsten Tag wollte er zu einer Recherchefahrt nach Frankreich aufbrechen, um Proportionen, Maße und Details und vieles Andere mehr für den vorstehend genannten und in Arbeit befindlichen Wiederaufbau eines äußerst seltenen Peugeots ermitteln.

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Nachdem dieser erste Schatz gehoben war, ging es bei wieder leicht besserem Wetter nach Lüften der Verdecke der Cabriolets und Trockenreiben beschlagener Scheiben in den Limousinen weiter Richtung Westen, wo die geradlinige Fahrt durch bislang flache Landschafen gegen schöne Kurven und leichte Serpentinen an kleineren Höhenzügen getauscht wurde. Nach geraumer Zeit und Strecke entlang Lühnde, Sarstedt, Bennigsen, Eimbeckhausen erreichten wir den Kurort Bad Münder am Deister, wo wir im herrlich gelegenen Ausflugslokal „Bergschmiede” ein sehr geschmackvolles und reichhaltiges Mittagessen typischer niedersächsischer und jahreszeitlich-herbstlicher Kochkunst geniessen konnten.

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Nach ungefähr 90-minütiger Mittagspause wandten wir uns dann wieder Richtung Osten der Heimat entgegen und hatten noch eine gute Wegstrecke über Coppenbrügge, Eldagsen, Söhre, Marienburg, Itzum, Heersum und Söhlde bis Alvesse zu bewältigen, ehe wir entlang einer stattlichen Gutshofmauer, die sich auch teils mit goldbewehrten Zaunspitzen abwechselte, zur Toreinfahrt auf einen großflächig angelegten landwirtschaftlichen Betrieb einbiegen konnten.

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Nach Fahrt durch ein weiteres Tor bogen wir in die Auffahrt zu einem weiteren und zweiten Schatz unserer Tour, dem Rittergut Alvesse, ein, wo wir bereits vom Hausherrn Alexander Brendecke erwartet wurden, der uns einlud, entlang der Wege in dem weitläufigen Garten einen schönen Stellplatz für unsere Mobile zu finden.

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Wenige Augenblicke später und mit dem obligatorischem Glas Sekt, Wein, Orangensaft oder Wasser als Farewell-Getränk ausgestattet, lauschten wir im stilvollen Ambiente des Parkes an der Freitreppe des herrschaftlichen Gebäudes der kurzen, aber inhaltvollen Ansprache von Herrn Brendecke, der sich besonders freute, „'wahre Perlen' von noch bei jedem Wetter auf der Straße  fahrenden Oldtimern” auf seinem Gelände beherbergen zu dürfen.

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Da alle Teilnehmer gerade so gut zusammen standen, nutzte „Itze” die Gelegenheit, um eine Neuerung bei den jährlichen Ausfahrten vorzustellen: der bislang für die vermeintlichen 'Missetaten' vergebene „Lukas” (Affe) wird ab sofort auf allen Herbstausfahrten und der „Bosch” (Gartenzwerg) auf der Frühjahrs- bzw. Sommertour verliehen. Das diesjährige 'Opfer' war schnell ausgemacht, denn Klaus H. hatte es versäumt, eine nagelneu vorhandene und bislang im Regal schlummernde Lichtmaschine vor der Fahrt in seinen Jaguar XK 120 einzubauen. Auf Grund des gleich zum Tourstart ersichtlichen Defektes hatte er seinen 'Jag' morgens schnellstens wieder in die Garage stellen und an der Fahrt etappenweise mit einem modernen Gefährt teilnehmen müssen.

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Ein von der Peiner Zeitung entsandter Fotograf und/oder Redakteur wahrte ebenfalls die Gunst des Augenblicks, um in der Auffahrt am Rondell vor dem im klassizistischem Stil in nur zwölf Monaten im Jahr 1897 erbauten Gebäude ein großes Ensemble von gut und bildgerecht arrangierten Fahrzeugen und Personen für einen Artikel, der am 5. Oktober erscheinen soll, abzulichten.

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Langsam löste sich die Gruppe gegen 18 Uhr auf, um den Heimweg in's Wochenende anzutreten.

Bleibt nur noch der Winter bis zur nächsten bereits angekündigten Tour am 13. Mai 2011 abzuwarten, bei der vielleicht wieder einmal ein paar bislang verborgene und interessante Schätze gehoben werden können.

110 Bilder der Ausfahrt (ca. 216 MB) gibt es hier mit einem Klick:

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3. Oktober 2010

Text und Bilder: Wolfgang Hesse