01 lemans66

Für Oldtimer- und Rennsportfans gibt es gerade im Kino einen wahrhaften Augenschmaus zu sehen.

Im über 150-minütigen Film „Le Mans 1966 – Gegen jede Chance” sind nicht nur schöne Fahrzeuge der 60er-/70er-Jahre und packende Rennszenen zu sehen, sondern es wird die nahezu authentische Geschichte der Anstrengungen der Ford Motor Company erzählt, aus Wirtschafts- und Imagegründen die damals vorherrschende Dominanz europäischer Automobilmarken im Autorennsport zu brechen.

Die Geschichte handelt von Männern mit Macht (Henry Ford II. mit seinen verantwortlichen Managern Lee Iacocca (Manager der damaligen Markteinführung des Ford Mustang) und Leo C. Beebe) und mit Leidenschaft (Caroll Shelby und Ken Miles). Jene mit Leidenschaft, nämlich der Rennfahrer Ken Miles (gespielt von Christian Bale) und sein Freund, der Sportwagenkonstrukteur und -tüftler Carroll Shelby (Darsteller Matt Damon), müssen sich mit dem mächtigen Konzernchef Henry Ford II. (Darsteller Tracy Letts) arrangieren. Denn nur wenn Geld, Vision und Können zusammenkommen, entsteht vielleicht ein Auto, das schnell genug ist, um die Ferraris 1966 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans zu besiegen.

Nachdem dem Scheitern des Versuchs des amerikanischen Autoherstellers Ford mit dem italienischen Sportwagenbauer Ferrari zu fusionieren (herrlich die emotionalen Szenen mit Enzo Ferrari und seiner Entourage bei der entscheidenen Verhandlung mit Lee Iacocca in Maranello), lässt Henry Ford II. aus Wut über Enzo Ferraris ablehnende Sprüche und dessen vertraglicher Bindung mit FIAT im eigenen Unternehmen Sportwagen bauen. Er beabsichtigt, Ferrari, dessen Autos regelmäßig und beinahe ausnahmslos die 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewinnen, den Titel abzujagen. Das Unternehmen beauftragt Carroll Shelby, einen ehemaligen Rennfahrer auf Aston Martin und Sieger von Le Mans, der auch aufgrund seiner Herzerkrankung sich mittlerweile nur noch dem Bau von hochwertigen und leistungsstarken Sportwagen widmet, mit der Entwicklung geeigneter Fahrzeuge.

02 lemans66

Shelby holt den Rennfahrerkollegen und Mechaniker Ken Miles ins Boot, der die Testfahrten übernimmt und wie kein anderer weiß, welche Verbesserungen am Fahrzeug nötig sind. Zwischen Shelby und Miles gilt als ausgemacht, dass Miles das Rennen von Le Mans selbst fahren wird, doch von Ford kommt Gegenwind. Manager Leo Beebe (Josh Lucas), der von Henry Ford II. schließlich auch mit der Leitung des Rennteams betraut wird, findet dass der hitzköpfige Miles, den er einen „Beatnik” nennt, nicht zur Marke Ford passe. Shelby will aber weder den Auftrag noch seinen Freund verlieren.

Auf dem Weg zum Erfolg sind viele Hindernisse zu überwinden, die nicht nur die Technik und Auslegung des neuen Wagens betreffen, sondern auch in der Sturköpfig- und Behäbigkeit der Entscheidungsträger und -strukturen in einem Großunternehmen. Denn je mehr Anzugträger sich um Henry Ford drängen und mitbestimmen wollen, desto mehr verwässert das Projekt. Den Sieg in Le Mans kann aber nach Shelbys und Iacoccas Auffassung nur gewinnen, wer risikobereit ist und individuelle Entscheidungen vertreten kann. Und da setzt Caroll Shelby gegenüber den Entscheidern und besonders Henry Ford II. Alles – sogar sein Unternehmen – bei einem wegweisenden und vorbereitenden Rennen in Daytona auf eine Karte.

03 lemans66

Gegenüber der Stallorder von Ford läßt er dann in der Folge seinem Freund Miles voller Vertrauen freien Spielraum, um das legendäre Rennen von 1966 in Le Mans mit dem von ihm liebevoll und leidenschaftlich genanntem „Mädchen” Ford GT40 für sich zu entscheiden. Miles liefert sich packende und cineastisch schön inszenierte Rennszenen mit seinem Konkurrenten Lorenzo Baldini auf Ferrari 330. Viele historische Rennfahrzeuge wie auch Porsche 906, Aston Martin, Renault Alpine und andere Ferrari, einige spektakuläre Unfälle oder Kollisionen, die Einflüsse des Regenwetters und der Sicht in der Nacht unterstreichen lebhaft die Dramatik und Atmosphäre des Rennens. Nicht so kurz kommen auch kleine Streiche und Streitigkeiten zwischen den Rennboxen von Ford und Ferrari. Schlußendlich nimmt sich Miles in der letzten Runde des Rennens aber zurück und besinnt sich auf die ausgegebene Teamorder eines triumphalen gemeinsamen Zieleinlaufs der drei Ford GT40, damit das vom Rennmanager Beebe geforderte Zielfoto der nahezu parallel einlaufenden drei Fords zustande kommen kann.

04 lemans66

Leider nützte Miles der eigentliche Sieg nichts, da die Rennkommissare den Gesamtsieg an das Team Bruce McLaren und Chris Amon mit der Begründung vergaben, dass deren Ford GT40 in der Startaufstellung ungefähr 40 Meter hinter dem Fahrzeug von Miles mit Co-Pilot Denis Hulme stand und somit eine längere Renndistanz zurückgelegt hätte. Noch im gleichen Jahr verunglückte Ken Miles bei einer Testfahrt mit einem weiter entwickelten Ford GT40 tödlich.

+++ 21. November 2019 +++ Wolfgang Hesse +++

 

Kino: Astor Filmtheater in Braunschweig
Kinostart: 14.11.2019

Originaltitel: Ford vs. Ferrari
Länge: 152 Minuten
Verleih: 20th Century Fox
FSK: 12

Regie: James Mangold
Darsteller: Christian Bale als Ken Miles, Caitriona Balfe als seine Ehefrau Mollie Miles, Noah Jupe als Sohn Peter Miles, Matt Damon als Carroll Shelby, Tracy Letts als Henry Ford II., Josh Lucas als Leo Beebe, Jon Bemthal als Lee Iacocca

 

Film-Vorschau

 

Media-Nachweise:

Farbbilder: © 20th Century Fox PresseService 2019 (3), oasis.shell.com (2), lesvoitures.fr (1)

Bilder schwarz-weiss: lemans.org (1), sekaimon.com (2), thedrive.com (1)

Filmvorschau: © 20th Century Fox PresseService 2019